Vor drei Wochen wurde meine Tochter geboren (deshalb wars hier auch so still ... die Sektkorken knallen eben offline
). Vom Papierkrieg, den Elternzeit, Kindergeld, Steuerkartenänderung, usw., usw. mit sich bringen will ich gar nicht erst anfangen zu klagen, der Artikel wird sonst zu lang! Aber wovon ich berichten will, ist, wie erschreckend effizient die Vollerfassung jedes neuen deutschen Bürgers von statten geht, konnte ich dies doch nun live miterleben ...
Nach der Geburt gibt man im Krankenhaus sein Stammbuch ab, da man ja eine Geburtsurkunde für das kleine Würmchen braucht. Daraufhin wird dann im Standesamt selbige erstellt (Was übrigens 10 € kostet! Übrigens immer darauf achten, dass man gleich alle nötigen Kopien davon bekommt, sonst zahlt man die 10 Öcken nochmal!) ... mit der Nebenwirkung, dass mein Töchterchen bereits 14 Tage nach ihrer Geburt die erste Post bekam! Ihre Steueridentifikationsnummer war da. Gespeichert wird da: Name, Geschlecht, Konfession und ein paar andere Dinge, soweit bekannt. Ich hätte kotzen können!
Aber das ist ja nur die staatliche Seite. Die wirtschaftliche Seite kann die Daten ja nicht so einfach verlangen, wie es der Staat tut. Also versucht man es dort anders. Am Tag nach der Geburt kam ein Krankenpfleger mit einem Müllsack unter dem Arm ins Zimmer meiner Frau. In dem Sack waren jede Menge Pröbchen, Testpackungen und Prospekte (zumindest sah es auf den ersten Blick nach Prospekten aus). Zunächst fand ich diese erfrischend unaufdringliche Werbung (forderte sie auf den ersten Blick nichts ein und wahrte unsere Anonymität) gar nicht schlecht. Jeder, der mal versucht hat, sich in einem Geschäft einen Überblick über die entsprechende Produktpalette zu verschaffen, muss dankbar für diese Unterstützung sein. Aber beim Blick auf die vermeintlichen Prospekte schäumt die Galle gleich wieder: jede Menge Gutscheine, die natürlich erst gültig werden, wenn man (bevorzugt online) den Datenstrip hingelegt hat ... Wieviele Säuglinge Kleinkinder, Kinder und Jugendliche, die nie selbst so einen Dreck unterschrieben haben, schlummern wohl schon in den Datenbanken der Windel- und Breichenhersteller?
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